November 2018
Nachschub vom Weingut Tiberio

Sangiovese von Tiberio

Leben ohne Sangiovese ist schwer vorstellbar. Einzeller in einer alkoholfreien Ursuppe – möglich. Aber ein Florentinisches T-Bone-Steak ohne Sangiovese – absurd. Der Ursprung dieser urtoskanischen Rotweintraube verliert sich im Nebel der Geschichte. Behauptungen, schon die trinkfreudigen Römer hätten ihre glorreichen Siege über die Barbaren mit dem Blut des Jupiter (sangue di Giove) begossen, sind reine Spekulation. Dass der Sangiovese als Ursuppe der toskanischen Weinkultur das Wohlbefinden auf dem Planeten mehrt, ist dagegen empirisch bewiesen und markiert zweifellos einen echten Meilenstein in der Evolution.

Niemand bringt die Aromen dieser genialen Rebsorte unverfälschter zum Ausdruck als Enzo Nocentini vom Weingut Tiberio. Die Grundlagen für die herausragende Qualität seiner Weine sind eine bis ins Jahr 1831 zurückreichende Weinbautradition, strikte Ertragsbegrenzung, die akribische Auslese von Hand und der Verzicht auf Zuchthefen und Enzyme beim Keltern. Der Sangiovese IGP 2015 (€ 8,80, Best.-Nr. 19) profitiert zudem von den hervorragenden Bedingungen seines Jahrgangs.

Eine Neukreation des Weinguts ist der Tiberio di Tiberio IGP 2015 (€ 13,80, Best.-Nr. 23), der zu gleichen Teilen aus Sangiovese, Canaiolo und Malvasia Nera gewonnen wird. Sein außergewöhnlicher Geschmack erinnert Enzo Nocentini an die Weine von früher. Sein Rat: Dieser Wein hat auf dem Sofa nichts verloren, sondern sollte unbedingt zum Essen getrunken werden. Auch alle anderen Weine mit dem roten "T" auf dem Etikett haben wir jetzt wieder auf Lager: Malavasia Nera IGP 2015, Canaiolo IGP 2015 und Nocens IGP 2015 (je € 13,80, Best. Nr. 20-22).

Zuletzt sei noch auf einen Neuzugang bei den Bränden hingewiesen: Vom Weingut Trockene Schmitts beziehen wir jetzt einen typisch fränkischen Zwetschgenbrand (€ 16,80, Best. Nr. B1), der in der hauseigenen Brennerei hergestellt wird. Die dazu verwendeten Zwetschgen stammen aus eigenem Anbau.

Juni 2018
Gringo trinkt Greengo

Grüner Veltliner Greengo

Schon vor Jahren hatte mir der Winzer Mathias Schödl erzählt, dass er es leiwand fände, seinen Grünen Veltliner über dem Großen Teich zu verkaufen. Nicht zuletzt deshalb hatte er eine sommerliche Leichtbauversion desselben augenzwinkernd Greengo getauft. Dieser Wunsch ist nun wahr geworden. Bei einer Weinmesse in New York haben die Schödls einen Händler für ihren Greengo gefunden. Der Name ist ein Geschenk an die Sprachkultur und ermöglicht es den amerikanischen Kunden, den Wein, den sie lieben, nicht nur zu trinken, sondern auch unfallfrei auszusprechen und dabei Momente der Selbstfindung zu erleben.

Grüner Veltliner Greengo

Die zweite Geschichte rund um den Greengo 2017 (W40, € 6,90) rankt sich um das Wapperl auf der Flasche. Bei Weinproben von Vinum & Oleum hatten sich wiederholt tumultartige Szenen abgespielt, als es um die Bewertung des Etiketts mit dem grünen Chamäleon ging. Pfiffig und originell, lobten die einen, während sich die anderen über den hässlichen Lurch echauffierten und dem Greengo trotz seiner Klasse die Gefolgschaft verweigerten. Das gelinde gesagt durchwachsene Echo auf das schrille Design hat nun zu einer Überarbeitung geführt, die hoffentlich allen Veltliner-Freunden zu ungetrübter Freude an diesem süffigen Weißwein gereicht.

Neuigkeiten gibt es auch vom Weingut Fattoria Le Terrazze aus den Marken. So haben wir neben dem klassischen Rosso Conero DOC 2015 (R65, € 9,50) nun auch wieder das Flaggschiff des Weinguts, den fantastischen Sassi Neri Conero Riserva DOCG 2015 (R66, € 19,80), auf Lager. Beide werden zu 100% aus Montepulciano-Trauben gekeltert, die am Fuße des Monte Conero südlich von Ancona kultiviert werden. Wieder erhältlich ist außerdem das exzellente Olivenöl Extra Vergine der Fattoria, das wir heuer in 3-Liter-Kanistern anbieten (O7, € 54,00).

Mai 2018
Tocai Friulano – König des Friaul

Rosental Spumante Rosato

Dem Menschen ist es seit jeher ein Bedürfnis, seine Liebe zum geistigen Getränk in mindestens ebenso geistreiche Sinnsprüche zu kleiden. Diese beinhalten meist nur karge Auskunft über den geschätzten Stoff, und im Extremfall beschränkt man sich darauf, dessen Abwesenheit als Misere zu beklagen:

"Ein Trinkgeschirr, sobald es leer,
macht keine rechte Freude mehr."
(Wilhelm Busch)

Nur wenig konkreter wird der Dichter bei seiner Empfehlung, körperlichem Verfall mit einem tröstlichen Schluck zu begegnen: "Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben."

In Regionen mit einer ausgeprägten Weinkultur hingegen, in denen es verpönt ist, irgendeinen Plempel in sich hineinzugießen, wird der Heil bringende Trunk präzise beim Namen genannt. Im Friaul zum Beispiel sagt der Volksmund: "Cul Tocai a sparissin duc’i mai" – frei übersetzt: Bei einem Glaserl Tocai geh‘n alle Übel vorbei. Dass diese Behauptung vollumfänglich der Wahrheit entspricht, wagen wir nicht zu behaupten. Wir fanden jedoch gewichtige Indizien dafür, als wir das letzte Aprilwochenende in dieser gesegneten Weinregion verbrachten, um die 2017er Jahrgänge der Weingüter Riz und Kitzmüller zu kosten.

Die beiden zuletzt ausverkauften Tocai Friulano aus dem Anbaugebiet Isonzo, der Bianco 2017 (Bestell-Nr. W2, € 6,90) vom Weingut Riz und der Friulano Corte Marie 2017 (W6, € 7,80) von Thomas Kitzmüller sind nun wieder auf Lager und von ausgezeichneter Qualität. Dasselbe gilt für die Malvasia Istriana beider Weingüter. Besonders hingewiesen sei auf eine Neuheit von Thomas Kitzmüller: Der Spumante Rosato Rosental (S8, € 12,00) aus Merlot-Trauben ist wunderbar fruchtig und erfreut den Gaumen durch eine besonders feine Perlage..

Wieder im Sortiment haben wir auch das Flaggschiff vom Weingut Winkler, den Grünen Veltliner Wieland 2016 (W39, € 14,60), dem die alten Reben in der Gedersdorfer Spitzenlage Wieland eine bestechende Eleganz und Mineralik verleihen.

Zu unserer Verkostungsreise ins Friaul haben wir ein paar Fotoimpressionen auf unserer Website eingestellt.

April 2018
Vinum & Oleum erobert Franken

Wahlspruch-Schmitts

Der nebenstehende Wahlspruch, der den Innenhof unseres neuen Partnerweinguts in Franken schmückt, dürfte bei der Hauptstelle für Suchtfragen wohl auf dem Index landen, für uns dagegen bildet er den erfreulichen Kulminationspunkt unserer Bemühungen um eine würdige Vertretung des Frankenweins in unserem Sortiment.

Nachdem wir vor einiger Zeit zu der Erkenntnis gelangten, dass eine Münchner Weinhandlung ohne Frankenwein auf Dauer ein Unding sei, haben wir eineinhalb Jahre lang hart daran gearbeitet, diesen Missstand zu beheben. Auf diversen Messen haben wir die Sortimente fränkischer Winzer rauf- und runterprobiert und selbstredend waren wir auch mehrfach im schönen Frankenland unterwegs, um Weingüter zu inspizieren. An dieser Stelle sei unseren Freunden gedankt, die uns bei diversen Verkostungen der zur Wahl stehenden Weine ohne Rücksicht auf ihrer Leberwerte selbstlos unterstützt haben.

Als Ergebnis dieser haarsträubenden Umtriebe präsentieren wir nun unser neues Partnerweingut, die Trockenen Schmitts aus Randersacker am Main, die einen Teil ihrer überzeugenden Winzerphilosophie bereits im Namen tragen. Weine mit spürbarem Restzucker gelten bei diesem Familienbetrieb als unverträglich und werden prinzipiell nicht hergestellt.

Zum Einstieg haben wir eine ganze Batterie von Silvanern ausgewählt, weil dieser einerseits der typischste Frankenwein ist und andererseits erheblich das Wohlbefinden steigert, wenn sich Könner wie die Schmitts um die Herstellung kümmern. Von der günstigen Literflasche 2017 für den Alltagsgebrauch (W65, € 7,90) bis hin zum Silvaner Sonnenstuhl Spätlese aus Alten Reben 2016 (W68, € 12,90) arbeitet das Weingut alle Facetten dieser großartigen Rebsorte heraus. Gewissermaßen den Mittelbau bilden der Silvaner Ewig Leben Kabinett 2017 (W66, € 7,50) und der Silvaner Sonnenstuhl Spätlese 2016 (W67, € 10,50). Ergänzt wird das Angebot vom Riesling Pfülben Spätlese 2016 (W69, € 12,20), der in einer der besten fränkischen Rieslinglagen am Steilhang wächst.

Zu unserer letzten Tour durch Franken haben wir ein paar Fotoimpressionen auf unserer Website eingestellt.

Zuletzt sei noch darauf hingewiesen, dass uns Mathias vom Weingut Schödl mit Nachschub versorgt hat. Deshalb haben wir jetzt endlich wieder einen schönen Rosengarten Rosé 2017 (R52, € 7,90) und auch der Welschriesling 2017 (W49, 6,90) ist wieder auf Lager.

Februar 2018
Winterlieferung vom Weingut Terracruda/Marken

Incrocio Bruni

Immer wenn es mitten im Winter völlig überraschend ein bisserl zapfig wird, fährt der Boulevard zuverlässig schwere Geschütze auf und stimmt uns mit Berichten über ein fiese Russenpeitsche und sibirische Monsterkälte auf zünftige Erfrierungen ein.

Passend zu diesem Wetter lag heute das "Frühjahr Spezial" von Kustermann in der SZ. Auf den ersten drei Seiten tummeln sich preiswerte Grillgeräte zwischen 600 und 2000 Euro, die uns mit genialen Features wie Tuck-away Wärmehalterosten und Flavorizer Bars (hä?) auf den Sommer einstimmen. Da kann man nur von Glück sagen, dass bei den Accessoires neben der praktischen "Burgerpresse Pro" auch Grillhandschuhe im Angebot sind.

Russenpeitsche hin oder her, wir teilen den erfrischenden Optimismus des Münchner Eisenwarenhändlers und erklären den Winter hiermit für beendet. Unser heißer Tipp für die unmittelbar bevorstehenden Hundstage: Der Boccalino 2016 (W55, € 6,80) vom Weingut Terracruda, ein duftiger, nicht zu schwerer Weißwein aus der legendären Bianchello-Traube, die einigen unsrer Kunden auch als Hasdrubals Sargnagel bekannt ist. Auch vom "Vogerlwein" Incrocio Bruni 2016 (W57, € 8,80) haben wir wieder einen hübschen Vorrat angelegt.

Sollte sich der Wärmeeinbruch wider Erwarten verzögern, empfehlen wir zum innerlichen Aufwärmen die beiden Sangiovese des Weinguts, den kernigen Orcio 2015/16 (R70, € 7,80) oder den etwas wuchtigeren, im Fass ausgebauten Olpe 2013 (R71, € 10,80). Der zuletzt ausverkaufte Vettina 2016 (R73, € 8,40), dem die Aleatico-Traube seinen schönen Veilchenduft verleiht, ist auch wieder auf Lager.

Januar 2018
Frauenpower auf Toskanisch

Merigge von Buccelletti

Haben Sie schon den neuen Jungwinzerinnen-Kalender im Weinkeller hängen? Nicht? Dann wird’s aber Zeit. Die Ausgabe gewährt mit den Fotos von spärlich bekleideten Weinberg-Hasen einen offenherzigen Einblick in die Abgründe des österreichischen Weinmarketings. Das "suberotische Machwerk" (Zitat "Das anstößige Weinmagazin Schluck"), für das übrigens wenig überraschend Richard „Mörtel“ Lugner Pate stand, kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zeiten, in denen sich die weibliche Rolle in der Weinbranche aufs Marketing beschränkte, endgültig passé sind.

Selbst an der etwas angestaubten Institution der deutschen Weinkönigin lässt sich ablesen, dass die Frauen in der Weinbranche auf dem Vormarsch sind. Während die Gekrönten in der guten alten Zeit noch "echte Töchter der Weinberge, von kräftiger Statur, kerngesund und apfelbäckig" (SZ 1950 ) waren und hübsch bedirndelt als dekoratives Beiwerk in die Kameras winkten, parlieren sie heute mehrsprachig über reduktiven Weinausbau und nicht wenige schmieden Pläne für eine Karriere als Winzerin. Jedes fünfte Weingut in Deutschland ist mittlerweile in weiblicher Hand.

Frauenpower auf Toskanisch demonstrieren Lidia Castellucci und Roberta Giaccherini, die couragierten Chefinnen unseres Partnerbetriebs Famiglia Buccelletti. Mit einem Team, das zu hundert Prozent aus Frauen besteht, produzieren sie Wein und Olivenöl auf höchstem Niveau und prägen den sanften Tourismus in ihrem Heimattal.

Als rote Flaggschiffe haben sich der aus Sangiovese und Syrah gekelterte Poventa (R17, € 15,00) sowie der sortenreine Merlot Merigge (R18, € 15,00) etabliert. Von beiden haben wir jetzt den hervorragenden Jahrgang 2013 ins Lager bekommen, der erfreulicherweise mit sicheren DIAM-Korken verschlossen ist. Der 2016er Jahrgang des bewährten Arrone (R16, € 9,00) dürfte der beste sein, den das Weingut je abgefüllt hat. Neu im Sortiment ist der Albestre 2016 (R15, € 9,00), ein leichtfüßiger Rosato aus Sangiovese, dessen Etikett sicher für angeregte Diskussionen bei unseren Weinproben sorgen wird. Neu ist auch das biologisch zertifizierte Olivenöl Magrille (O6, 1 Liter-Kanister, € 17,50), das aus innovativen Olivenkulturen gewonnen wird und sehr mild und nussig schmeckt.

Vom Nachbarweingut Santo Stefano möchten wir heuer besonders den neuen Jahrgang 2015 des Zoccoli (R24, € 9,00) empfehlen. Dieser vorwiegend aus Sangiovese gekelterte Rosso ist diesmal so elegant und ausgewogen geraten, dass wir uns schon bein unserem Aufenthalt vor Ort im Oktober ausgiebig daran gütlich taten. Selbstverständlich haben wir uns bei Santo Stefano auch wieder mit dem beliebten Olivenöl Oleum und Honig aus biologischer Bienenhaltung eingedeckt.

Dezember 2017
Von Vollhollern und Ölbäumen

Pinot Noir vom Weingut Schödl

Der österreichische Bundeskanzler Christian Kern hätte sich sicher nicht träumen lassen, dass er Österreichs Wort des Jahres erschuf, als er die Flüchtlingspolitik seines geschniegelten Außenministers Sebastian Kurz als „populistischen Vollholler“ und somit als kompletten Blödsinn brandmarkte. Dass die zuständige Fachjury in der Erläuterung ihrer Wahl den Holler alias Holunder als "nutzloses Unkraut, welches höchstens für Sirup taugt", bezeichnet, ist allerdings eine üble Diffamierung dieses ehrbaren Strauchs, mit dessen Blütenduft edle Weine wie Sauvignon Blanc, Muskateller und Traminer gern hausieren gehen.

Einen vergleichsweise unantastbaren Ruf genießt seit jeher der Olivenbaum. So heißt es schon im Alten Testament: "Einst machten sich die Bäume auf, um sich einen König zu salben, und sie sagten zum Ölbaum: Sei du unser König. Der Ölbaum sagte zu ihnen: Soll ich mein Fett aufgeben, mit dem man Götter und Menschen ehrt, und hingehen, um über den anderen Bäumen zu schwanken?" Schon damals verdankte er sein hohes Ansehen zuvörderst dem hier vom Übersetzer zum banalen Fett degradierten kostbaren Öl.

Da trotz klimarelevanter Bemühungen preußischer und chinesischer Kohlepioniere in Bayern immer noch keine Olivenbäume wachsen, importieren wir das Grüne Gold auch heuer wieder aus Italien. Frisch eingetroffen (neue Ernte 2017) sind drei sortenreine biologisch zertifizierte Olivenöle und ein erstklassiger Blend vom Landgut Conventino di Monteciccardo (Marken). Toskanische Öle von Santo Stefano und Famiglia Buccelletti folgen im Januar. Neu im Sortiment und eine Empfehlung für festliche Anlässe ist ein eleganter, in Allierfässern ausgebauter Pinot Noir 2015 (R49, € 12,50) vom Weingut Schödl.

In der Rubrik "Geschenke" auf unserer Internetseite finden Sie wie immer Anregungen für den weihnachtlichen Gabentisch. Neu dabei ist der „Barolo im Holzkisterl“.

November 2017
Nebelweine aus dem Piemont

Adae, Barbera Superiore

Wie man hört, ist das Piemont ein überteuerter Landstrich, in dem betuchte Touristen aus der Schweiz den Porsche Cayenne vor einem feudalen Ristorante parken, zur Vorspeise Carpaccio all’Albese ordern, vom livrierten Kellner großzügig weißen Alba-Trüffel darüberhobeln lassen und die erlesenen Häppchen mit einem 200-Euro-Barolo hinunterspülen. Mangels Erfahrung sehen wir uns außerstande, dieses bösartige Vorurteil vollumfänglich aus der Welt zu schaffen, doch unser kürzlicher Besuch beim Weingut La Biòca hat uns doch erheblich erfreulichere Eindrücke von der berühmten Weinregion verschafft.

Daran änderten auch die berüchtigten Nebelschwaden nichts, die ab Oktober aus der Poebene über die Weinberge kriechen und die sonnenverwöhnte Landschaft in Düsternis hüllen. Möglicherweise ist es die herbstliche Schwermut, die die piemontesischen Weinbauern dazu inspiriert, mit die besten Antidepressiva der Welt zu keltern. Im Schlepptau der quirligen Geschäftsführerin von La Biòca haben wir nicht nur den bleiernen Nebel, sondern auch vortreffliche Weinlagen und eine hochmoderne Kellerei besichtigt. Die Weine sind ausgezeichnet, die Preise für piemontesische Verhältnisse erfreulich geerdet.

Den Anfang macht der feine Zabaldà Barbera d’Alba DOC 2015 (Best.-Nr. R83, € 9,00), der 10 Monate in 30hl-Fässern aus slawonischer Eiche reift. Einfach umwerfend finden wir die Edelversion dieses Weins, den Adae Barbera d’Alba Superiore DOC 2015 (Best.-Nr. R84, € 14,50), der aus über 50 Jahre alten Rebstöcken gewonnen wird und 12 Monate in 500 l-Tonneau-Fässern ausgebaut wird. Fruchtig und elegant präsentiert sich der neue „Igel im Nebel“ Riccinnebbia Langhe DOC Nebbiolo 2015 (R80, € 10,80). Eine echte Rarität ist der Faje ‘n Ross Langhe DOC Rosso 2015 (R85, € 12,50), der aus der wenig bekannten Rebsorte Freisa gewonnen wird und seine orientalisch anmutenden Gewürznoten einer 16 Monate währenden Lagerung in Tonneau- und Barriquefässern verdankt.

In der Rubrik "Vinum & Oleum auf Tour" haben wir ein paar Impressionen von unserem Besuch in der Toskana und im Piemont zusammengefasst.

September 2017
Vorspiel von der Fattoria Le Terrazze

Rosso Conero Praeludium

Die Neigung, sich selbst und andere zu kasteien, würde man religiösen Eiferern unterstellen, Weinhändlern eher nicht. Insofern ist es uns schon ein bisschen unangenehm, dass auf unserer Website beliebte Weine wie die Rosso Coneros von der Fattoria Le Terrazze seit Wochen mit rot gerahmten Ausverkauft-Hinweisen gepflastert sind. Wer ist schuld? Wir (zu wenig eingekauft)? Die Kunden (zu viel konsumiert)? Beides unerhört. Schuld ist deshalb der Klimawandel, der in manchen Gegenden und Jahren zu rotweinfeindlichen Wetterkapriolen und somit zu Lücken in unseren Lagerbeständen geführt hat.

Sehen wir es positiv: „Wer nie gedarbt, ist ohne Freude reich“, lehrt uns der Schweizer Dichter Albrecht von Haller. Andererseits kann man sich mit übertriebenen Entbehrungen ernstlich das Leben vermiesen. Insofern ist es sicher erfreulich, dass der trotz der Dichterweisheit missliche Engpass bei einigen Weinen nun ein sofortiges oder baldiges Ende hat.

Der Rosso Conero Praeludium DOC 2016 (Best.-Nr. R64, € 7,20) ist genauso fruchtig und süffig wie sein Vorgänger und macht sicher nicht nur als „Vorspiel“ eine gute Figur. Der klassische Rosso Conero DOC 2015 (R65, € 9,20) aus dem großen Holzfass steht ab November zum Verkauf.

Von der Fattoria Le Terrazze haben wir ab sofort auch ein exzellentes Olivenöl Extra Vergine (O5, 0,75 Liter, € 16,50) im Sortiment. Eine jüngst heraufziehende Ölkrise ist damit abgewendet. Vom zuletzt ausverkauften Friulano Collio DOC 2016 (W10, € 9,60) von Thomas Kitzmüller haben wir reichlich Nachschub organisiert.

August 2017
Das rosarote Stachelschwein

Civitella Rosato

Roséwein Portugieser süße Versuchung lieblich, Literflasche, € 2,99/Liter im 12er Vorteilspack – solche Angebote sind es, die den Ruf des Rosè einst ruiniert haben, und es gibt sie nach wie vor. Eine feine Sache, wenn man einen Fetzenrausch mit Kopfwehgarantie schätzt, für den gepflegten Genuss jedoch nur sehr bedingt zu empfehlen.

Zum Glück hat sich bei den meisten Weinliebhabern längst die Erkenntnis durchgesetzt, dass hochwertiger Roséwein nicht das Geringste gemein hat mit den Zumutungen aus dem Billigsegment, die zurecht als süße Plörre oder Gurgelwasser am Pranger stehen. Dass die Renaissance des Rosés mittlerweile beinahe in einen Hype umschlägt, ist wohl das Werk beflissener Marketingmenschen, die ein Leben ohne Trends für sinnlos halten.

Schon vor über zehn Jahren hat Sergio Mottura, Pionier des biologischen Weinbaus, zum ersten Mal seinen brillanten Civitella Rosato (Best.-Nr. R13, € 9,40) aus Montepulciano-Trauben gekeltert. Dem 2016er Jahrgang dieses Weins hat er nun zu unserer großen Freude einen Schraubverschluss spendiert! Mit seiner kräftigen Struktur und intensiven Kirscharomen zeigt dieser Rosato einen völlig anderen, sagen wir mal „seriöseren“ Charakter als die vergleichsweise schwachbrüstigen Sommerrosés, die zur Zeit recht gefragt sind und sicher auch ihre Daseinsberechtigung haben.

Herzstück der Produktion des Weinguts mit dem Stachelschwein als Maskottchen ist und bleibt der reinsortige Grechetto Poggio della Costa 2016 (W14, € 10,30). Diesem äußerst vielschichtigen und lagerfähigen Weißwein verdankt Sergio Mottura seinen Ruf als Meister des Grechetto und etliche 3-Gläser-Trophäen in der italienischen Weinbibel Gambero Rosso. Zum Schluss noch eine gute Nachricht für die Freunde preiswerter Mottura-Weine: Die zuletzt ausverkauften weißen „Stachelschwein-Bomben“, der Lazio Bianco IGT 3l-Bag-in-Box (W16, € 18,50), sind wieder auf Lager.

Juni 2017
Von Sämlingen und Dr.-Wagner-Reben

Sämling

Als dem Rebzüchter Georg Scheu im Jahre 1916 mit dem achtundachtzigsten Sämling seine bedeutendste Züchtung gelang, war er der Meinung, Riesling und Silvaner seien die Eltern seiner Neukreation. Damals konnte er noch nicht ahnen, dass ihm humorlose Genetiker fast 100 Jahre später nachweisen sollten, dass ihm statt Silvaner die Bukettrebe in die Kreuzung geraten war. Wie konnte das passieren, Schorsch?

Seine gleichwohl äußerst gelungene Züchtung nannte Scheu schlicht Sämling 88. Einen Preis für den fantasievollsten Sortennamen der Weinbaugeschichte hat er dafür gewiss nicht verdient. Die Umbenennung in Dr.-Wagner-Rebe zu Ehren eines Nazi-Bauernführers in den 30er Jahren bewerten wir jedoch als Desaster der schlimmeren Art. Nach dem Krieg wurde die Rebe gleichsam entnazifiziert und hieß nun wieder Sämling 88.

Dem Scheu Schorsch wollen wir aus alledem keinen Strick drehen – jemand, der so wunderbare Rebsorten hervorbringt, kann nicht von Grund auf schlecht sein. So hat er es sich redlich verdient, dass seine Züchtung in Deutschland seit den Fünfzigerjahren ihm zu Ehren als Scheurebe firmiert. Die Österreicher sind beim prosaischen Sämling geblieben. Namen sind bekanntlich Schall und Rauch. Tatsache ist, dass die Scheurebe im trockenen Ausbau hocharomatische Weine ergibt, die den Vergleich mit dem wesentlich berühmteren Sauvignon Blanc – Vorsicht Kalauer - nicht zu scheuen brauchen.

Ein Beispiel dafür ist der Sämling 2016 vom Weingut Schödl (Best.-Nr. R48, € 6,80). Im Duft paart er fruchtige Aromen mit feiner Kräuterwürze, im Geschmack dominieren saftige Zitrusnoten. Die Säure ist frisch und lebendig, aber nicht ganz so bissig wie bei Papa Riesling. Ebenfalls neu im Sortiment und eine Empfehlung für heiße Sommertage ist der Welschriesling 2016 (Best. Nr. R49, € 6,50), ein ungemein süffiger Weißwein mit feinen Apfel- und Zitrusnoten - auch vom Weingut Schödl aus dem Weinviertel.

Mai 2017
Zerlegter Chianti

Malvasia Nera

Es spricht sicher für den toskanischen Baron und Staatsmann Bettino Ricasoli, dass er sich auch von diversen italienischen Unabhängigkeitskriegen nicht davon abhalten ließ, auf seinem Landgut bei Gaiole in Chianti intensiven weinbaulichen Studien nachzugehen. Man schrieb das Jahr 1872, als Ricasoli in einem Brief an einen gewissen Professor Studiati die ultimative Rezeptur für den Chianti niederschrieb: "... der Sangioveto verleiht dem Wein den Hauptteil seines Dufts und eine gewisse Ausdruckskraft; vom Canajuolo erhält er jene Lieblichkeit, welche die Härte des ersteren mäßigt, ohne jedoch auch nur im Geringsten dessen Duft zu mindern, zumal er selbst mit einem solchen begabt ist; die Malvagia schließlich [...] neigt dazu, das Produkt aus den ersten beiden Sorten zu verdünnen, vermehrt seinen Geschmack, macht es leichter und eher geeignet für den täglichen Gebrauch zu Tische."

Etwa 130 Jahre später fasste Enzo Nocentini, Chef unseres Partnerweinguts Tiberio, den Entschluss, Ricasolis Rezeptur trotz dessen verdienstvollen Wirkens für die italienische Einigung in ihre Einzelteile zu zerlegen und aus Sangiovese, Canaiolo und Malvasia fürderhin drei separate Weine zu produzieren.

Dieser genialen Eingebung verdanken wir die Existenz der sortenreinen Malvasia Nera IGP (Best.-Nr. R20, € 13,60), von der wir letzte Woche den hervorragenden Jahrgang 2012 ins Lager bekommen haben. Ob der Baron es geschafft hätte, mit diesem wuchtigen, mit vierzehneinhalb Umdrehungen gepolsterten Rosso sein Produkt zu verdünnen, darf zumindest stark bezweifelt werden.

Von nicht weniger bemerkenswerter Qualität ist auch der Canaiolo IGP 2013 (R21, € 13,60), dessen brillanter Beerenduft mit zarten Barriquenoten unterfüttert ist. Der Sangiovese IGP 2013 (R19, € 8,20) schließlich beweist, dass sich Wein aus der wichtigsten Traube des Chianti auch sortenrein zum täglichen Gebrauch bei Tische eignet.

April 2017
Bayern verspargelt

Grüner Veltliner Ried Vordernberg

Am vergangenen Mittwoch wurde am Viktualienmarkt offiziell die Spargelsaison eröffnet, selbstverständlich in Anwesenheit von Musibuam, Goaßlschnalzern und einer reschen Spargelkönigin. A bissl spät dran waren’s allesamt, denn schon seit Ende Februar werden die Münchner Spargel-Junkies mit weißen Stangen aus bayerischen Landen versorgt. Möglich machen das findige Landschaftspfleger aus dem Bauernstand, die das einträgliche Gemüse nicht nur unter Plastikfolie päppeln, sondern darüber hinaus allen Ernstes ihre Äcker beheizen. Es ist also nur eine Frage der Zeit, wann der erste Spargel zu Weihnachten in der Butter schwimmt, und niemand sollte sich wundern, wenn er dann auf einmal wie holländische Tomaten schmeckt.

Um auch nicht ansatzweise in den Ruch zu kommen, irgendjemandem sein Edelgemüse vermiesen zu wollen, leisten auch wir unseren Beitrag zum allgemeinen Spargelwahnsinn, und zwar mit Martins Rezept für Spargel-Risotto. Für die Zubereitung braucht man etwas Fingerspitzengefühl, damit alles gleichzeitig gar wird, sprich: nicht der Reis zu hart und der Spargel zu weich bzw. umgekehrt. Deshalb ein Tipp: Es geht inspirierter von der Hand, wenn man schon zum Kochen ein Glas Weißwein bereitstellt (nicht fürs Risotto sondern für Koch und Köchin). Zur Inspiration sowie zum fertigen Gericht empfehlen wir heuer den Grünen Veltliner Ried Vordernberg 2016 (Best. Nr. 33, € 8,80), den neuen Lagen-Veltliner vom Weingut Winkler.

Ebenfalls neu im Sortiment und potenziell inspirierend sind zwei handgerüttelte Winzer-Sekte vom Weingut Schödl: der Rosé Brut aus Pinot Noir sowie der Blanc de Blanc aus Chardonnay/Weißburgunder (S3 und S4, je € 15,80). Als Neuzugang bei den Rotweinen präsentieren wir den Vettina Pergola DOC 2015 (R73, € 7,50) vom Weingut Terracruda, der zu 100% aus der aromatischen Aleatico-Traube gewonnen wird. Das Besondere an dieser kaum bekannten Rebsorte sind intensive Blütenaromen, wie man sie sonst bei kaum einem Rotwein findet.

März 2017
Igel im Nebel

Barolo Aculei, La Biòca

Ein Igel macht sich eines Nachts auf den Weg zu seinem Freund, dem kleinen Bären, um mit ihm Tee zu trinken und die Sterne zu zählen. Unterwegs verirrt er sich im Nebel, trifft einen finsteren Uhu und ein weißes Pferd, verliert sein Marmeladenglas und fällt in einen Fluss. Die Marmelade bringt ihm ein netter Hund zurück und aus dem Fluss wird er von einem Fisch gerettet. Dies ist das Sujet des bezaubernden sowjetischen Zeichentrickfilms "Der Igel im Nebel" aus den 70er Jahren.

Was ein Igel im Nebel mit Wein zu tun hat? Nun, der Igel ist das Markenzeichen der Azienda La Biòca, unseres neuen Partner-Weinguts aus dem Piemont. Der Nebel ist namensgebend für den Nebbiolo, jene göttliche Rotweintraube, der Barolo und Barbaresco ihren Weltruhm verdanken. Und "Igel im Nebel" ist nicht nur der Titel eines russischen Märchens, sondern auch der Name eines fantastischen Rotweins, des Riccinnebbia Langhe DOC Nebbiolo 2012 (Bestell-Nr. 80, € 14,50).

Mit dem Barolo Aculei DOCG 2013 (Best-Nr. 82, € 28,-) erklimmen die Igel-Weine den Rotwein-Olymp. Für sein Flaggschiff hat La Biòca keine Kosten gescheut und sich der Expertise des renommierten Önologen Franco Bernabei bedient. Die "Aculei" sind übrigens die Stacheln des Igels. Die Abrundung unseres brandneuen Nebbiolo-Sortiments bildet die sehr elegante Auslese Stërma Langhe Nebbiolo DOC 2013 (Best.-Nr. 81, € 13,40).

Dass das Team von La Biòca nicht nur mit Rotwein umgehen kann, beweisen zwei ausgezeichnete Weißweine. Der Favorosa Langhe DOC 2015 (Best.-Nr. 61, € 11,40) wird aus der Vermentino-Traube gewonnen, die in Piemont Favorita genannt wird. Das partiell eingesetzte "Orange"-Verfahren verleiht ihm besonders intensive Frucht- und Gewürzaromen. Der Ariss Langhe DOC 2015 (Best.-Nr. 60, € 7,40) aus der autochthonen Traubensorte Arneis besticht durch einen kräftigen Körper und ausgeprägte Pfirsicharomen.

Februar 2017
Merlot von Thomas Kitzmüller

Merlot Friuli Isonzo DOC 2015

Bei Weinbeschreibungen liegt häufig nur ein schmaler Grat zwischen Poesie und sprachlichem Amoklauf. Während ein Pfälzer Riesling mit mundwässernder Frische begeistert, verströmt eine mollige französische Rotweincuvée den Duft von rassigen Beeren und legt im nächsten Moment einen druckvollen Abgang hin. Wir begegnen einem rheingauer Riesling von burgundischem Ausmaß und einem südtiroler Gewürztraminer, der den Gaumen mit fordernder Frucht umgarnt. Österreich beglückt den Weinfreund mit trinkfreudigen Grünen Veltlinern, die mit animierendem Trinkfluss ins Delirium geleiten.

Vor diesem Hintergrund möge man es uns nachsehen, wenn wir bei der euphorischen Beschreibung eines Weins womöglich übers Ziel hinausschießen sollten. Diese Gefahr besteht zum Beispiel beim Merlot Friuli Isonzo DOC 2015 (Bestell-Nr. R7, € 10,40) von Thomas Kitzmüller. Der von vielen schon sehnsüchtig erwartete Nachfolger des legendären „Il Rosso“ ist weder mollig noch fordernd, dafür verströmt er den für diese Rebsorte typischen Himbeerduft. Der anteilige Ausbau im Holzfass verleiht ihm Samtigkeit und Eleganz. Vom kurzfristig ausverkauften Merlot IGT 2015 vom Nachbarweingut Riz (R1, € 6,90) haben wir zum Glück Nachschub hereinbekommen.

Die Stiftung Warentest hat preiswerte Olivenöle „nativ extra“ aus dem Supermarkt getestet (Januar 2017). Die Ergebnisse sind kein Ruhmesblatt für die Massenware der Billiganbieter: Von 24 getesteten Ölen wurde kein Einziges als „gut“ bewertet, zehn verdienten sich ein „mangelhaft“. Bei einem so wertvollen Lebensmittel vertrauen wir lieber auf die Spitzenerzeugnisse unserer italienischen Kleinproduzenten wie zum Beispiel das bewährte Oleum Extra Vergine von Santo Stefano (O1, 0,75 l zu € 15,80 bzw. 3-Liter-Kanister zu € 47,50, neue Ernte 2016).

Dezember 2016
Rosato zum Räuchersaibling

Bocca di Rosa Rosato

Seit der Erfindung des Gutscheins geht der Trend zum Event, auch beim Weihnachtsgeschenk. „Filet von der Dorade an Limettenschaum und karamellisierten Belugalinsen in Balsamico“ – mit diesem gepuderten Menüvorschlag lockt eine Schnäppchen-Agentur die schenkfreudige Kundschaft in ein mutmaßliches Spitzenrestaurant. Vom selben Anbieter werden Salzgrotten-Sitzungen, lasergetunte Haarentfernung sowie Salsa-Tanzkurse zu Kampfpreisen feilgeboten. Hoch im Kurs stehen auch Dinner in the Dark, Ferrari fahren und Übernachtungen in Seifenblasen-Hotels – was immer das zu bedeuten hat.

Wir beschränken uns heuer auf einige konservative Tipps fürs weihnachtliche Festessen. Und damit zurück zum Fisch. In vielen Haushalten ist es Brauch geworden, an Heiligabend anstelle eines opulenten Karpfens geräucherte Lachsfische zu servieren. Ein derart kalorienarmes Bescherungsmahl erhöht die Überlebenschancen an den beiden Weihnachtsfeiertagen, an denen es in verschiedenen Teilen der Familie meist fette Gänse zu verspachteln gilt.

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass es bei Vinum & Oleum einen brandneuen und sehr gehaltvollen Rosato aus Sangiovese-Trauben gibt, der auf kongeniale Weise mit Räucherfisch harmoniert: den Bocca di Rosa (R26, € 8,50) vom Weingut Santo Stefano (Toskana). Zur Verfeinerung von Lachs, Forelle oder Saibling ist es ratsam, diese mit einem erstklassigen Olivenöl zu beträufeln, beispielsweise mit dem Frà Giocondo vom Conventino di Monteciccardo (O4, neue Ernte 2016). Als prickelnden Aperitif zu festlichen Menüs oder auch als Knaller für die Silvesternacht empfehlen wir den Donna Giulia Spumante Brut vom Weingut Le Terrazze (S5, € 14,80).

In der Rubrik "Geschenke" auf unserer Internetseite finden Sie durchweg konservative Anregungen für den weihnachtlichen Gabentisch. Um den Anschluss an die Moderne nicht gänzlich zu verlieren, spielen wir mit dem Gedanken, ab nächstem Jahr „Weinproben in the Dark“ anzubieten. Unser Wahlspruch „Ich glaub, es ist ein Roter“ wird dann in völlig neuem Licht erscheinen.

November 2016
Herbstliche Reserven

Profondo Sangiovese

Wenn es "an die Reserven geht", bedeutet das meist nichts Gutes. Man denkt an Burnout-Syndrom und leere Kassen. Der passionierte Weintrinker hingegen geht mit Freude an die Reserven, sofern es sich nicht um die letzten Flaschen im Keller, sondern um besonders edle, lange gereifte Weine handelt. Allerdings ist es von Land zu Land und Anbaugebiet zu Anbaugebiet völlig unterschiedlich oder auch überhaupt nicht geregelt, was unter einer Reserve/Riserva/Reserva/Réserve zu verstehen ist. Mit zusätzlichen Qualitätsbegriffen wie DOCG, Gran Cru, Auslese oder Superiore sorgen die Marketingstrategen vielsprachig für zusätzliche Verwirrung auf den Weinetiketten.

Bei einem französischen Grand Cru Grande Réserve handelt es sich mutmaßlich um einen oberschichttauglichen High-End-Schampus, der vorzugsweise bei Schiffstaufen oder Siegerehrungen verplempert wird. Bei einem Chianti Classico Riserva DOCG freuen wir uns auf einen perfekt gereiften XXL-Turbo-Sangiovese, der jedoch überraschenderweise mühelos von einer Gran Selezione getoppt wird. Letztlich bleibt dem geneigten Konsumenten nichts anderes übrig, als in jedem Einzelfall zu recherchieren, für welche Qualitätskriterien die "Reserve" konkret steht.

Wir möchten heute drei Reserven empfehlen, die sich aufgrund ihrer kraftvollen Struktur trefflich dazu eignen, Blutbahn und Seele vor frühwinterlicher Vereisung zu schützen. Der Profondo Sangiovese DOC 2013 vom Weingut Terracruda (R72, € 18,80) hat sich sein "Riserva" durch eine 24 Monate währende Reifung verdient. Nach der Gärung lagert der Profondo für mindestens 12 Monate in neuen Barriquefässern und bleibt dabei in Kontakt mit den Hefen, die wöchentlich aufgerührt werden. Diese aufwendige Kellertechnik verleiht dem Sangiovese-Flaggschiff des Weinguts außergewöhnlich intensive Aromen. Anschließend reift der Profondo mindestens 12 weitere Monate auf der Flasche, bevor er in den Handel kommt.
Die beiden Grünen Veltliner Moosburgerin Kremstal DAC Reserve 2015 von Winkler (W34, € 10,80) und Alte Reben Weinviertel DAC Reserve 2014 von Schödl (W43, 13,80) zeichnen sich durch reife Obstaromen und einen geschmeidigen, langen Abgang aus. Wer möchte, kann unter den folgen Links nachlesen, welche Qualitätskriterien die jeweiligen DAC Reserven im Kremstal bzw. im Weinviertel erfüllen müssen. Kriterien hin oder her – beide sind exzellente Veltliner, die man sich gerade in der kühlen Jahreszeit gelegentlich gönnen sollte.

September 2016
Bianchello del Metauro oder: Hasdrubals Sargnagel

Bianchello del Metauro Superiore DOC

Es war im Jahre 207 v. Chr., als der karthagische Feldherr Hasdrubal während des zweiten punischen Kriegs am Fluss Metaurus südlich von Ariminum (Rimini) auf zwei starke römische Heere traf. Am Vorabend der unvermeidlichen Schlacht kamen seine gallischen Söldner auf die geniale Idee, sich am Wein aus der Gegend zu laben. Aufgrund der schon damals bestechenden Süffigkeit des Bianchello del Metauro mündete der Umtrunk in ein verheerendes Besäufnis. Am Tag der Schlacht waren die Söldner ihrem Feldherrn keine Hilfe mehr, und Hasdrubals Kopf landete alsbald als makabres römisches Wurfgeschoss im Lager seines Bruders Hannibal.

Wir beziehen diesen geschichtsträchtigen Weißwein vom Weingut Terracruda, wo wir im Mai dieses Jahres eine Woche auf den Spuren von Hasdrubals Söldnern verbrachten, jedoch im Unterschied zu diesen glücklicherweise nicht in kriegerische Auseinandersetzungen mit römischen Heeren verwickelt wurden. Das Weingut, das sich etwa 40 km südöstlich der Universitätsstadt Urbino im sanften Hügelland der italienischen Region Marken befindet, ist auf regionale Traubensorten spezialisiert und liefert uns den famosen Bianchello del Metauro in zwei Ausbaustufen: Der Boccalino DOC 2015 (Bestellnr. W55, € 6,30) verführt als leichtfüßiger Weißwein aus dem Stahltank zu unbeschwertem Genuss. Beim Campodarchi Argento DOC superiore 2013 (W56, € 9,80) wird ein Teil des Weins in neuen Barrique-Fässern vergoren und reift dort 12-18 Monate auf der Feinhefe. Dieses moderne Herstellungsverfahren verleiht dem Campodarchi eine phänomenale Aromadichte. Charakteristisch für den Bianchello ist ein feiner Duft, der an blühende Wiesen erinnert.

Weitere Neulinge vom Weingut Terracruda:
Ein gehaltvoller und sehr harmonischer Weißwein ist der Incrocio Bruni IGT 2015 (W57, € 7,80), der wegen seines hübschen Etiketts in unserem internen Sprachgebrauch als Vogerlwein firmiert. Die wiederentdeckte Kreuzung aus Verdicchio und Sauvignon Blanc ist eine absolute Rarität und wird nur von wenigen Weingütern in den Marken kultiviert.
Mit dem Orcio Sangiovese DOC 2015 (R70, € 6,90) kommt ein sehr preisgünstiger und geradliniger Rotwein ins Sortiment. Sein großer Bruder ist der Olpe Sangiovese Riserva DOC 2013 (R71, € 10,80), der seine urwüchsige Kraft aus einer 24 Monate währenden Reifung in Barriquefässern schöpft.
Der Spumante Brut Rosato 2015 (S7, € 10,80) aus Sangiovese-Trauben ist ein vortrefflicher Aperitif. Zum Abschluss eines gepflegten Essens empfehlen wir ein ganz besondere Spezialität aus dem Marken: den Fratte di Visciola (B2, € 20,80). Dieser intensiv nach Kirsche duftende Acquavite wird aus einer regionalen Sorte von Sauerkirschen gebrannt, die zuvor für die Herstellung von Kirschwein verwendet wurden.

Juli/August 2016
Pink Fluid live bei Vinum & Oleum

Pinkfluid Rosato 2015

Mit Profi-Reibeisen Bob Dylan kann man sicher alles Mögliche assoziieren, aber wohl kaum einen eleganten Rosé-Wein. Dylan-Fan Antonio Terni von der Fattoria Le Terrazze blieb deshalb gar nichts anderes übrig, als für seinen Rosato den Namen eines anderen Musikmonuments zu verwursten. Der aus 100% Syrah gekelterte Pinkfluid Marche Rosato 2015 (€ 7,90, Bestell.-Nr. 68) ist jedoch nicht nur wegen seines pfiffigen Namens und seiner wunderbaren dunkelrosa Farbe ein bemerkenswerter Tropfen, sondern vor allem wegen seines schönen Beerendufts und seiner beinahe cremig anmutenden Geschmeidigkeit.

Der weithin hörbare Ruf nach preiswerten Rotweinen sowie ein nicht unerheblicher Eigenbedarf haben uns veranlasst, den beiden schon im Sortiment befindlichen Montepulciano-Weinen aus dem Anbaugebiet um den Monte Conero südlich von Ancona/Marken einen weiteren hinzuzufügen. Der Rosso Conero Praeludium DOC 2015 (€ 6,80, R64) ist der Jungspund unter den Rossos der Fattoria Le Terrazze. Der Ausbau im Stahltank bringt einen sehr fruchtigen und nicht zu schweren Alltagswein hervor, der sich zum Beispiel blendend mit Pastagerichten versteht. Auf ca. 16°C heruntergekühlt gibt dieser mit 15% Syrah-Trauben garnierte Montepulciano auch einen erfrischenden Sommerrotwein ab.

Als prickelnde Ouvertüre zu einem gepflegten Gelage empfehlen wir die beiden erstklassigen Spumante Donna Giulia Brut 2013 (€ 14,80, S5, 100% Montepulciano) und Rosantium Brut Rosé 2010 (€ 12,90, S6, 50% Montepulciano, 50% Pinot Nero). Beide werden in traditioneller Flaschengärung hergestellt und gelangen während einer mindestens drei Jahre währenden Hefelagerung in einem historischen Kellergewölbe zu perfekter Reife. Die blitzsaubere Grappa Sassi Neri (€ 20,80, B1) rundet den Neulings-Reigen von der Fattoria Le Terrazze ab.

Juni 2016
Zielwasser für Thomas Müller

Grüner Veltliner loess.eins, Weingut Winkler

Dass unser Instinktstürmer aus der oberbayerischen Golfplatz-Provinz Pähl gleich reihenweise die Bälle am Tor vorbei semmelt oder an den Pfosten müllert wie gegen die bedauernswerten Nordiren und Slowaken, kann eigentlich nur am fehlenden Zielwasser liegen.

Unser Vinum&Oleum-Geheimtipp für Stürmer mit Ladehemmung: Grüner Veltliner loess.eins 2015 (€ 6,70, Bestellnr. W31) vom Weingut Winkler. Anwendung: innerlich, eine halbe Stunde vor dem Spiel, zwei bis drei Glasln – dieser Wein mit Biss und feinem Apfelaroma erfrischt und schärft die Sinne! Aber nicht vom Bundesjogi erwischen lassen.

Und auch für die italienischen Abwehrrecken Barzagli, Bonucci und Chiellini hätten wir eine Empfehlung für das Aufwärmprogramm vor dem Viertelfinale: den frisch eingetroffenen und sehr gelungenen Bianco (=Tocai) 2015 (€ 6,90, W2) vom Weingut Riz, jeder 3 Flaschen, die Kerle halten was aus. Winzer Fabian Riz ist nebenbei Fußballtrainer und garantiert für die totale Orientierungslosigkeit jeder 3er-Abwehrkette nach dieser echt friulanischen Sonderbehandlung.

Das Schöne am Rebsaft ist seine Vielseitigkeit. So ist es seit Jahrhunderten Brauch, dass der Mensch im Wein Vergessen sucht. Und damit kommen wir zu unserer letzten Empfehlung, gewidmet David Alaba, Wayne Rooney und all jenen, die unter der Allgegenwart des Fußballs in diesen Wochen leiden: Zoccoli Valdichiana DOC 2011 (€ 8,40, R24) vom toskanischen Weingut St. Stefano. Der neue Jahrgang dieses biologisch produzierten Sangiovese-Weins, der einem kurzen Abstecher ins Barrique-Fass seine besondere Finesse verdankt, lässt alles in einem milderen Licht erscheinen, selbst bitterste Niederlagen und die melancholische Erkenntnis, dass sich der Rest der Welt derzeit nur für Tore und Bier interessiert.

Mai 2016
Kitzmüller!

Traminer Aromatico von Kitzmüller

Angenommen, unser werter Heimat-Minister erlässt ein Gesetz, wonach Wein mit Migrationshintergrund nur noch in 400 km Mindestabstand zum nächsten fränkischen Weingut verkauft werden darf. Zeitgleich lassen die Österreicher in ihrer FPÖ-Paranoia die Schlagbäume herunter und schicken italienischen Wein an der Grenze als Promille-Flüchtling zurück mit der Begründung, das Boot sei schon mit Zweigelt und Veltliner voll? Ein Leben ohne Tocai Friulano und Sangiovese, kalter Entzug ...

Gott sei Dank sind das alles nur Horrorszenarien ohne jeglichen Bezug zur Realität. In der rosigen Wirklichkeit hat unsere Hausspedition Schenker die Weine von Thomas Kitzmüller auch ohne Schleuser über die Grenze gebracht und niemand hindert uns daran, sie an unsere geschätzte Kundschaft zu veräußern. Dass der Jahrgang 2015 in Friaul auch noch von hervorragender Qualität ist, setzt dieser guten Nachricht das I-Tüpfelchen auf. Als besondere Preziose sei vor allem der fantastische Traminer Aromatico Collio (Best.-Nr. W8, € 11,50) erwähnt, aber auch die beiden Friulano und alle anderen Weißweine sind ausgezeichnet geraten.

Bei den Rotweinen ist ab sofort der wie immer sehr feine Cabernet Franc Corte Marie (R6, € 7,50) im Handel, einen Merlot Friuli Isonzo 2015 als Nachfolger für den beliebten „Il Rosso“ sowie einen Cabernet Franc Collio 2015 hat Thomas Kitzmüller für den Herbst angekündigt. Die Weine vom Nachbarweingut Riz werden heuer später abgefüllt und sollten im Sommer bei uns eintreffen.

Einen Fotobericht zu unserem Aufenthalt in den italienischen Marken finden Sie unter „V&O auf Tour“ auf der Startseite oder direkt über diesen Link. Wir berichten über neu entdeckte Weine und geben nützliche Urlaubstipps.

Mai 2016
Bomben-Alarm bei Vinum & Oleum!

Bombe von Sergio Mottura

Gerade noch rechtzeitig vor den anstehenden Weißwein-Kübel-Wochen sind unsere 3-Liter-Biowein-Bomben (€ 18,50 Best. Nr. R8 bzw. W16) vom Weingut Mottura eingetroffen! Der praktische und preisgünstige Bag-in-Box-Wein ist nun auch wieder als Bianco erhältlich.

Die Bomben-Qualität der Olivenöle vom Conventino di Monteciccardo hat sich inzwischen herumgesprochen. Unseren Besuch bei dem Landgut Anfang Mai haben wir dazu genutzt, das Angebot um ein 3-Liter-Gebinde zu erweitern: Frà Giocondo, Monocultivar, Sorte Leccino, 3-Liter-Bag-in-Box (€ 51,50, Best.-Nr. O7-c).

Frà Giocondo, Olivenöl vom Conventino di Monteciccardo Der Liter-Preis für dieses Spitzenöl reduziert sich dadurch auf € 17,17. Die Verpackung in Bag-in-Box ist eine ungewohnte, aber ideale Lösung: Da das Olivenöl auch nach dem Öffnen des "Schlauchs" nicht mit Sauerstoff in Berührung kommt, bleibt es länger absolut frisch.

April 2016
ViniLeaks

Sangiovese vom Weingut Tiberio

Gedankenspiele, unseren Weinhandel in Zukunft steuersparend über die Briefkastenfirma DIRIDARI Unlimited auf den Britischen Jungferninseln abzuwickeln, haben sich nach Ruchbarwerdung der Panama Papers krachend erledigt. Solcherlei Datenlecks sind gewiss bedauerlich, doch nicht ansatzweise so katastrophal wie ein undichter Weinkeller, aus dem in kürzester Zeit Unmengen von Sangiovese verdunsten.

Das Leck in unseren Beständen vom Weingut Tiberio ist mittlerweile zum Glück behoben: Der 2013er Jahrgang des wie immer wunderbar kernigen Sangiovese IGP (Bestell-Nr. R19, € 8,20) ist vor Kurzem eingetroffen. Auch Malvasia Nera 2011 (R20, € 13,60) und Canaiolo 2011 (R21, € 13,60) aus Enzo Nocentinis Raritätenkabinett sind nun wieder auf Lager!

Vergangene Woche fand in der Münchner Tonhalle die Präsentation der neuen Weinviertler DAC-Weine statt. Mathias Schödl, der Erfinder des schon nach einem Jahr legendären GreenGo, hat bei diesem Anlass einige seiner 2015er Weißweine vorgestellt. Besonders erwähnt sei hier der extrem leiwande Grüne Veltliner Lösshügel DAC (W41, € 7,50), den man getrost als Paradebeispiel eines pfeffrigen Weinviertler Veltliners bezeichnen kann.

Für die ersten warmen Tage möchten wir außerdem unsere beiden Rieslinge empfehlen, die bei den letzten Weinproben eine exzellente Figur gemacht haben: Der Riesling Steingraben 2014 vom Weingut Winkler (W35, € 7,90) besticht durch ausgeprägte Mineralik und den für Winkler-Weine typischen Biss. Der Clou des Riesling 2014 vom Weingut Schödl (W45, € 7,90) sind wundervolle Citrusaromen. Beide beweisen, dass guten Rieslingen das eine oder andere Jährchen Reifung auf der Flasche durchaus zuträglich ist.

März 2016
Weinmesse Vinessio und Montepulciano vom Feinsten

Weingut Schödl auf der Vinessio

Vor Kurzem fand im Zenith in Freimann die Weinmesse Vinessio statt, bei der vor allem kleinere Produzenten aus Deutschland und Österreich ihre Weine präsentieren. Einerseits sind derlei Veranstaltungen ein nützliches Forum für den direkten Austausch zwischen Winzer und Konsument. Andererseits bieten sie für das eher promilleorientierte Publikum eine willkommene Gelegenheit zum kostengünstigen Flatrate-Bechern.

Sassi Neri Riserva von der Fattoria Le Terrazze

Eine thematisch seriösere Mission verfolgte das Vinum & Oleum-Team bei seinem Messebesuch. Die Aufgabe bestand darin, neue Jahrgänge und Weine unserer Partner-Weingüter Köller, Schödl und Winkler zu verkosten, was wenig überraschend auch gelang und zu höchst erfreulichen Erkenntnissen führte. Die 2015er Weißweine – zum Teil schon in der Flasche, zum Teil aus Fassproben vorgestellt – sind auch dank günstiger Witterung von ausgezeichneter Qualität und werden im Laufe des Jahres in unser Sortiment integriert. Das Foto zeigt Leonhard und Herbert Schödl bei der Messe-Arbeit.

Soviel zur Zukunft, nun zur Gegenwart: Soeben eingetroffen und neu im Sortiment sind zwei Montepulciano-Weine aus den italienischen Marken, die wir von der Fattoria Le Terrazze beziehen.
Zum einen der Rosso Conero DOC 2013 (€ 8,90, R65) - ein exzellenter und sehr sortentypischer Montepulciano, der 12-15 Monate im großen Holzfass reift. Er würde sich beispielsweise gut mit einem Lammbraten vertragen - ein neues Rezept dazu findet sich in unserer kulinarischen Rubrik.
Zum anderen das Flaggschiff des Weinguts, der Sassi Neri Conero DOCG Riserva 2011 (€ 19,80, R66) - ein Barrique-Wein von kaum zu übertreffender Eleganz und sicher der beste Montepulciano, den wir je probiert haben. Die Weinberge der Fattoria Le Terrazze gehören zum Weinbaugebiet an den Hängen des Monte Conero in umittelbarer Nähe zur Adria südlich von Ancona.

Der zuletzt ausverkaufte St. Laurent 2013 vom Weingut Schödl wird ab sofort von der St. Laurent Reserve 2014 (€ 8,90, Best.-Nr. R50) abgelöst.

Vinum & Oleum hat sich ins soziale Netzwerk eingefädelt. Über Besuche auf unserer Seite bei Vinum & Oleum auf Facebook und viele Likes würden wir uns freuen.

Januar 2016
Die Poesie des Olivenöls

Olivenöl vom Conventino di Monteciccardo

Wenn der Sommelier einen rubinrot funkelnden Barolo kunstvoll im Kreise schwenkt, seinen Experten-Rüssel tief ins Riedel-Glas taucht und dann mit wichtiger Miene eine mit Tabak und Teer unterlegte Backpflaume diagnostiziert, so ringt uns das allenfalls ein wissendes Nicken ab. Schließlich outet man sich heutzutage schon als komplette Banause, wenn man gewöhnliches Helles aus Maßkrügen trinkt und als „süffig“ lobt. Der moderne Biertrinker füllt sein India Pale Ale in Spielzeuggläser, beschnuppert es und beschwört den Duft von Pink Grapefruit, Limette und Orangenschale. Von den verbalen Exzessen der Whiskey- und Kaffeegenießer wollen wir hier gar nicht reden ...

Stattdessen sei an dieser Stelle ein kurzer Exkurs in die Poesie des Olivenöls erlaubt. Es geht schließlich nicht an, das Grüne Gold mit ein bisschen „fruchtig und nussig“ abzuspeisen. Thymian, Minze, Rosmarin, Distel, Mandel, Walnuss, Artischocken, Tomatenblätter, Kiwi, Apfel, Paprikaschoten und Grüner Pfeffer sind nur ein Teil des aromatischen Arsenals, mit dem die Verkoster beim Lobpreis hochkarätiger Extra-Vergine-Essenzen um sich werfen.

Ein Schuss Fantasie und Augenzwinkern mag hilfreich sein, um dieses geschmackliche Kaleidoskop in allen Nuancen nachempfinden zu können. Nichtsdestotrotz bleibt festzuhalten, dass erstklassige Olivenöle nicht nur die geschmacksarme und schlimmstenfalls ranzelnde Billigkonkurrenz weit hinter sich lassen, sondern sich auch untereinander durch eine beeindruckende Aromavielfalt unterscheiden. Davon konnten wir uns ein weiteres Mal überzeugen, als uns die Hausherren des Landguts Il Conventino di Monteciccardo einen Reigen sortenreiner Öle kredenzten, die sie in ihrer eigenen, hochmodernen Mühle in den italienischen Marken erzeugen.

Die unverschnittenen Olivenöle des „Conventino“ eignen sich besonders gut, um die typischen geschmacklichen Eigenschaften verschiedener Olivensorten zu entdecken. Im Sortiment haben wir das Frà Pasquale (€ 16,50, 0,75 l, Bestellnr. O6b) aus der lokalen Sorte Raggiola, das Frà Giocondo (€ 16,50, 0,75 l, Bestellnr. O7b) aus der in ganz Italien beliebten Leccino-Olive und das Frà Clemente (€ 19,90, 0,75 l, O8b) aus der französischen Sorte Picholine. Das gesamte Angebot finden Sie in der Rubrik Olivenöl.

Unser Weintipp des Monats ist der Blaufränkisch DAC Leithaberg 2011 (€ 12,50, Bestellnr. R46) vom Weingut Köllerhaus. Eine kompromisslose Ertragsbeschränkung und maßvoller Holzausbau verleihen ihm intensive Beerenfrucht, typische Würze und beachtliches Lagerpotenzial.

Neuigkeiten und Infos

Leben ohne Wein ist möglich, aber sinnlos.